Einreise zur Erwerbstätigkeit

Folgende neue Bestimmungen gelten ab Inkrafttreten des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes am 01.03.2020:

Staatsangehörige aus Albanien, Bosnien, Kosovo, Mazedonien, Montenegro, Serbien benötigen man grundsätzlich ein Visum, um nach Deutschland einzureisen und sich langfristig zur Beschäftigung in Deutschland aufhalten zu dürfen. Das Visum kann bei der deutschen Auslandsvertretung in dem Land, in dem der gewöhnliche Aufenthalt liegt, beantragt werden. Die zuständige deutsche Auslandsvertretung ist hier zu finden.

Welches Visum beantragt werden kann, hängt insbesondere von der beruflichen Qualifikation ab.

Grundsätzlich müssen bei der Visabeantragung zudem die allgemeinen Zulassungsvoraussetzungen (nach § 5 Aufenthaltsgesetz) erfüllt sein.

Mit einer beruflichen Ausbildung kommt die Beantragung des folgenden Visums in Betracht:

Grundsätzlich wird bei Visumbeantragung zwischen einer qualifizierten und einer nicht qualifizierten Berufsausbildung unterschieden. Eine qualifizierte Berufsausbildung gemäß § 2 Abs. 12a AufenthG ist eine Ausbildung in einem staatlich anerkannten oder vergleichbar geregelten Ausbildungsberuf mit einer nach bundes- oder landesrechtlichen Vorschriften festgelegten Ausbildungsdauer von mindestens 2 Jahren. Eine nicht qualifizierte Berufsausbildung ist eine Ausbildung, die diese Definition nicht erfüllt. 

Visum zur Arbeitsplatzsuche für Fachkräfte mit Berufsausbildung (nach § 20 Abs. 1 AufenthG)

Hat man noch keinen Job gefunden, kommt ein Visum zur Arbeitsplatzsuche (nach § 20 Abs. 1 AufenthG) in Betracht. Das Visum berechtigt zur sechsmonatigen Arbeitssuche in Deutschland.

Die wichtigsten Voraussetzungen für die Erteilung:

  1. Nachweis über eine abgeschlossene deutsche qualifizierte Berufsausbildung oder Nachweis über eine abgeschlossene ausländische Berufsausbildung, die einer deutschen qualifizierten Berufsausbildung gleichgestellt ist.

  2. Nachweis über deutsche Sprachkenntnisse, die der angestrebten Tätigkeit entsprechen. In der Regel sind hier deutsche Sprachkenntnisse mindestens auf dem Niveau B1 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen erforderlich. In vielen medizinischen Berufen müssen in der Regel Deutschsprachkenntnisse auf dem Niveau B2 vorhanden sein.

  3. Nachweis über den gesicherten Lebensunterhalt während der gesamten Dauer des Aufenthalts in Deutschland und über einen ausreichenden Krankenversicherungsschutz.

    1. Wie hoch der Betrag im konkreten Fall ist und wie dieser nachzuweisen ist, ist bei der zuständigen deutschen Auslandsvertretung zu erfragen.

    2. Der Nachweis zur Lebensunterhaltssicherung kann auch durch eine Verpflichtungserklärung oder voraussichtlich im Einzelfall durch die bereits vereinbarte Vergütung für Probearbeiten bis zu 10 Stunden pro Woche (die Probearbeiten müssen der Qualifikation entsprechen).

    3. Dieser Aufenthaltstitel berechtigt grundsätzlich nicht zur Beschäftigung. Allerdings sind Probebeschäftigungen für bis 10 Stunden pro Woche erlaubt, wenn zu deren Ausübung die Qualifikation berechtigt.  

Wird in diesem Zeitraum ein entsprechender Arbeitsplatz gefunden, kann eine Aufenthaltserlaubnis zum Zwecke der Beschäftigung beantragt werden. Die Beantragung erfolgt bei der zuständigen Ausländerbehörde in Deutschland, sodass eine Ausreise nicht erforderlich ist und die Arbeit sofort nach der Erteilung aufgenommen werden kann.  Die örtlich zuständige Ausländerbehörde kann durch Eingabe der Postleitzahl hier ermittelt werden.

Visum zur Beschäftigung für Fachkräfte mit Berufsausbildung (nach § 18a AufenthG)

Das Visum berechtigt zur Beschäftigung in Deutschland.

Die wichtigsten Voraussetzungen für die Erteilung:

  1. Nachweis über eine abgeschlossene deutsche qualifizierte Berufsausbildung oder Nachweis über eine abgeschlossene ausländische Berufsausbildung, die einer deutschen qualifizierten Berufsausbildung gleichgestellt ist (Anerkennungsnachweis von der zuständigen Anerkennungsstelle).
    Nähere Informationen über die Möglichkeiten, eine Ausbildung in Deutschland anerkennen zu lassen, sind im folgenden Flyer zu finden.

  2. Vorlage eines konkreten Arbeitsplatzangebots oder eines Arbeitsvertrags, für eine Beschäftigung, die mit dieser Berufsausbildung ausgeübt werden kann.

  3. Für Personen ab 45 Jahren bei erstmaliger Erteilung dieses Aufenthaltstitels gilt: voraussichtlich Bruttojahresgehalt von mindestens 3.795 € pro Monat (45.540 € pro Jahr) im Jahr 2020 oder ein Nachweis über eine angemessene Altersversorgung.

Bei einer Teilanerkennung der beruflichen Qualifikation besteht gegebenenfalls die Möglichkeit, mit einem Visum zur Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen nach § 16d AufenthG nach Deutschland einzureisen. Weitere Informationen finden Sie hier.

Für IT-Spezialisten ohne formale Qualifikation kommt die Beantragung des folgenden Visums in Betracht:

Visum zur Ausübung einer Beschäftigung mit ausgeprägten berufspraktischen Kenntnissen im IT-Bereich nach § 19c Abs. 2 AufenthG in Verbindung mit § 6 BeschV.

Das Visum berechtigt zur Beschäftigung in Deutschland. Die wichtigsten Voraussetzungen für die Erteilung:

  1. Konkretes Arbeitsplatzangebot oder ein Arbeitsvertrag auf dem Gebiet der Informations- und Kommunikationstechnologie (IT)

  2. Ein Gehalt in Höhe von mindestens 60 Prozent der jährlichen Beitragsbemessungsgrenze in der allgemeinen Rentenversicherung. Für das Jahr 2020 gilt: Bruttogehalt von mind. 4.140 Euro pro Monat oder von mind. 49.680 Euro pro Jahr.

  3. Nachweis über eine in den letzten 7 Jahren erworbene, mindestens 3-jährige Berufserfahrung, die mit dem Niveau einer Fachkraft vergleichbar ist.

  4. Nachweise über die Teilnahme an einschlägigen theoretischen Schulungen und über die Ablegung einschlägiger Prüfungen. 

  5. Nachweis über deutsche Sprachkenntnisse auf dem Niveau B1 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen. In begründeten Fällen kann von den Deutschsprachkenntnissen abgesehen werden, wenn z.B. die Arbeitssprache nicht Deutsch ist und die Person fähig ist, sich zügig in das Leben in Deutschland integrieren zu können (z.B. der künftige Arbeitgeber wird die Person bei der Wohnungssuche, Behördengängen und ähnlichen Situationen entsprechend betreuen).

  6. Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit. Das Visum darf in der Regel nur dann erteilt werden, wenn die Bundesagentur für Arbeit der Ausübung der Beschäftigung nach § 6 BeschV zugestimmt hat. 

Wenn keine anerkannte Qualifikation vorliegt, kommt die Beantragung des Visums zur Beschäftigung nach § 19c Abs. 1 AufenthG in Verbindung mit § 26 Abs. 2 Beschäftigungsverordnung (BeschV) (sogenannte Westbalkanregelung) in Betracht:

Das Visum berechtigt zur Beschäftigung in Deutschland. Die wichtigsten Voraussetzungen für die Erteilung:

  1. Vorlage eines konkreten Arbeitsplatzangebots oder eines Arbeitsvertrags

  2. Bitte beachten Sie, dass bei reglementierten Berufen (z.B. in der Krankenpflege, als Physiotherapeut/in o.ä.) stets eine Berufsausübungserlaubnis vorliegen muss, d.h. ein Anerkennungsverfahren muss in diesen Fällen durchlaufen werden. Eine Visumsvergabe ist sonst nicht möglich.

  3. Für Personen ab 45 Jahren bei erstmaliger Erteilung dieses Aufenthaltstitels gilt: voraussichtlich Bruttojahresgehalt von mindestens 3.795 € pro Monat (45.540 € pro Jahr) im Jahr 2020 oder ein Nachweis über eine angemessene Altersversorgung.

Hinweis 1: Gemäß § 26 Abs. 2 BeschV kann die Zustimmung zur Ausübung jeder Beschäftigung für dieses Visum erteilt werden. Die deutsche Auslandsvertretung prüft in Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit, ob eine Arbeitserlaubnis für die konkrete Beschäftigung erteilt werden kann. Die Zustimmung darf nur erteilt werden, wenn der Antrag auf Erteilung des Aufenthaltstitels bei der zuständigen Auslandsvertretung im Herkunftsland gestellt wurde - ein Visum zur Beschäftigung ist erforderlich. Die Arbeitserlaubnis ersetzt nicht das Visum!

Hinweis 2: Die Zustimmung darf nicht erteilt werden, wenn der Antragsteller innerhalb der letzten 24 Monate vor Antragstellung des Visums Asylbewerberleistungen in Deutschland bezogen hat. Dies gilt nicht für Antragsteller, die zwischen dem 1. Januar und 24. Oktober 2015 einen Asylantrag gestellt haben, sich am 24. Oktober mit einer Aufenthaltsgestattung oder Duldung in Deutschland aufgehalten haben und anschließend unverzüglich ausgereist sind.